Antofica

Verschiedenes

Eine Kaffeemaschine, 900 Franken und eine Fahrt nach Chișinău

Wie ich meinen defekten Kaffeevollautomaten zweitausend Kilometer weit gefahren habe — für eine Reparatur, die neunmal günstiger war als die schweizerische.

Ich habe eine Miele CM 7750. Ein Vollautomat aus der teureren Ecke des Regals — die Sorte Gerät, die man einmal kauft und von der man annimmt, man werde sie zehn Jahre haben. Nach ungefähr zwei Jahren und drei- bis viertausend Kaffees zeigte sie eines Morgens einen Fehlercode an und machte keinen Kaffee mehr.

Der offizielle Kundendienst

Ich rief bei Miele an. Ein Techniker kam kostenlos zu mir nach Hause, schloss einen Computer an das Gerät an, installierte die Software neu und arbeitete sich durch die Diagnose. Am Ende sagte er, weiter komme er hier nicht: Das Gerät müsse zur Diagnose in die Werkstatt.

Sie nahmen es mit. Ein paar Tage später kam der Preis: 900 Franken. Die Garantie war abgelaufen. Neunhundert Franken, um im Grunde herauszufinden, was ein Fehlercode bedeutet — mir kam das absurd vor. Ich lehnte ab und bat darum, mir das Gerät zurückzubringen.

Man machte mir daraufhin ein anderes Angebot: 1'600 Franken, und ich bekäme anstelle meines Geräts ein nagelneues. Eines, das im Laden fast 3'000 kostet. Auch das lehnte ich ab.

Dann kam ein Anruf, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Man habe mit dem Techniker gesprochen, und vielleicht lasse sich die Maschine reparieren, indem man nur ein Teil statt zwei ersetze — also nicht 900, sondern etwa 600 Franken.

Das hätte eine gute Nachricht sein sollen. Für mich war es der Moment, in dem etwas zerbrach. Wenn der Preis nach einem Telefonat um 300 Franken sinkt, dann hat man mir beim ersten Mal nicht alles gesagt. Und das bei einem offiziellen Servicecenter einer Premiummarke, in der Schweiz. Ich bat erneut darum, mir das Gerät nach Hause zu bringen. Zwei Tage später war es da.

Die Garage

Ich dachte mir: Wie kompliziert kann eine Kaffeemaschine schon sein? Ich baute sie auseinander, las nach, was im Netz zu finden war, fragte allerlei KI-Werkzeuge, bestellte eine neue Pumpe und baute sie ein. Es war nicht die Pumpe. Ich kam nicht weiter, legte die Teile zurück und stellte das Gerät in die Garage, wo es Monate stand.

Zwischendurch versuchte ich, sie so zu verkaufen, defekt. Das beste Angebot lag bei 400 Franken. Ich lehnte ab. Ich habe keinerlei Beweis, und es bleibt ein Scherz, aber mir kam der Gedanke, das Angebot stamme von genau dem Mann, der sie diagnostiziert hatte :)

Die Fahrt nach Chișinău

Ein Freund aus Moldau sagte mir, in Chișinău gebe es einen Miele-Service, und dort dürfte es kein Vermögen kosten. Diesen Sommer, auf der üblichen Autofahrt nach Moldau, packte ich die Maschine in den Kofferraum — sie ist gross und schwer, aber im Tesla war reichlich Platz.

Den Zoll interessierte es nicht. Nur an der moldauischen Grenze fragte jemand, was in der Kiste sei. „Eine gebrauchte Kaffeemaschine." Das war alles.

In Chișinău fragte ich Claude, wo man so etwas reparieren lässt. Es fand mehrere Adressen. Ich entschied mich für den Aaron-Service in der Bodoni-Strasse. Ich gebe zu, dass ich beim Ankommen einen Moment zweifelte: Von der Strasse aus sah es nach einer Werkstatt für Handys und Tablets aus. Ich liess sie trotzdem dort — es war ein Freitag.

Am Montag rief man mich mit dem Preis an: 2'500 Lei. Rund 110 Franken. Ich sagte sofort zu. Man sagte, es dauere eine Woche; ich erklärte, dass ich das Land verlasse und sie erst in zwei bis drei Wochen abholen könne. Sie waren anständig: Sie taten mir den Gefallen und reparierten sie in zwei Tagen. Ohne Aufpreis.

Ich brachte sie zu meinen Eltern, und dort schaltete ich sie zum ersten Mal ein. Sie lief.

Die Rechnung

110 Franken in Chișinău. 900 Franken in der Schweiz — oder 600, mit Kulanz. Dieselbe Marke, derselbe Defekt, derselbe Kaffee am Ende. Rund neunmal günstiger.

Ich schreibe das nicht, um auf Miele einzuschlagen. Das Gerät selbst ist gut, und der Mann, der zu mir nach Hause kam, hat seine Arbeit höflich getan. Aber irgendwo zwischen „Diagnose" und „Kostenvoranschlag" hat der Preis nicht mehr viel mit der Reparatur zu tun.

Epilog

Die Maschine ist inzwischen zurück in der Schweiz. In der Zwischenzeit habe ich mir etwas anderes gekauft: eine La Marzocco Linea — ein völlig anderes Tier, gar nicht automatisch, eines, das Aufmerksamkeit verlangt. Ich mag sie sehr.

Die Miele steht also zum Verkauf, funktionstüchtig und in gutem Zustand. Ein Angebot über 500 Franken habe ich bereits abgelehnt. Bei Interesse ist das Inserat hier, auf ricardo.ch.

Und der Rat, den ich weitergebe, ist einfach: Bevor man etwas Teures wegwirft, frage man an zwei weiteren Orten nach. Manchmal liegt der zweite Ort zweitausend Kilometer entfernt — und ist immer noch günstiger.

Moldovareparații